Mainz ist nicht meins!

Sagte Anne Holtkötter noch vor dem Start zu den Deutschen Marathonmeisterschaften mit Blick auf die Wetterprognose. Temperaturen um 23 Grad Celsius im Schatten hatten die Meteorologen vorhergesagt. Der wolkenlose Himmel ließ daran keinen Zweifel aufkommen. Und wer die Strecke und die Startumstände kennt, weiß, dass die zweite Hälfte deutlich schwerer ist als die erste. Es sind zwei nicht identische Runden zu laufen. Die Marathonläufer starten gemeinsam mit den Halbmarathonis, die zahlenmäßig sehr deutlich in der Überzahl sind. Die Stimmung und die Versorgung an der Strecke ist klar auf den Halben ausgelegt. Den Auftakt zur zweiten Runde bildet ein langer und knackiger Anstieg bis zum Scheitelpunkt der Theodor-Heuss-Brücke. Nachdem man dann eine Runde durch ein Wohngebiet gedreht hat, muss man erneut über die Brücke zurück nach Mainz. 28 Kilometer liegen dann hinter einem und manch einer macht von dem Angebot der Veranstalter Gebrauch, sich mit einem Zweidrittel-Marathon zu verabschieden. Für die Marathonläufer wird es nun spürbar einsamer. Oft läuft man allein, die Mehrzahl der Zuschauer ist verschwunden, ja selbst die Verpflegungsstellen, die in der ersten Runde noch so gut fließen, scheinen spärlicher zu sprudeln. Dass bei solchen Witterungsbedingungen, dem Streckenprofil und der geringeren Unterstützung vom Streckenrand die Zeiten in der zweiten Runde abfallen, ist nur logisch.
Mainz trug nun zum zweiten Mal die Deutschen Marathonmeisterschaften aus und im kommenden Jahr wird es auch wieder Mainz sein – Mainz bleibt Mainz! Aus meiner Sicht sollte der Veranstalter die Strecke und den Ablauf überdenken, um den Marathonis und einer Deutschen Meisterschaft besser gerecht zu werden, schließlich heißt die Veranstaltung ja Gutenberg-Marathon-Mainz und nicht Halbmarathon. Attestieren kann man den Mainzern eine ansonsten gute Organisation, die bis hin zu zügigen Siegerehrungen reicht.
Aus Vereinssicht gab es ausgesprochen erfreuliche Resultate. Mit vier Vizemeisterschaften und zwei dritten Plätzen dürfen wir sehr zufrieden sein. Hervorzuheben auch der vierte Platz der ersten Frauenmannschaft in der Besetzung Sabine Knothe, Anne Holtkötter und Hannelore Horst in der Gesamtwertung. In der 20-jährigen Vereinsgeschichte waren die Frauen nur einmal besser! Eine der größten Überraschungen war sicherlich das Ergebnis der 25jährigen Sabine Knothe, die als Debütantin gleich schnellste LSFerin mit 3:14:29 Stunden war und damit den 5. Platz in der WHK belegte. Dies ist um so überraschender, weil Sabine eine „gelernte“ Mittelstrecklerin ist. 2001 noch für die LG Olympia Dortmund startend wurde Sabine Deutsche Jugend Vizemeisterin über 1.500 m in 4:23, 17 Minuten! Aus einer Laune heraus entsprang ihr Wunsch, in Mainz laufen zu wollen. Nachdem der Halbmarathon in Hamm in diesem Winter gut für sie gelaufen war, sagte sie in die Runde, „ich starte in Mainz und will unter 3:20 bleiben“. Bereits eine Woche später bereute sie ihr mutiges Vorhaben, aber sie war angemeldet und wollte es so nicht mehr ändern. Was folgte, war die konsequente Einhaltung eines von mir erstellten Trainingsplans mit einer Zielzeit von 3:15 Stunden. Der Plan ist für jedem im Internet frei zugänglich. Anne trainierte übrigens ebenfalls wiederholt danach und mit 3:14:47 Stunden wurde es fast eine Punktlandung. Dieses Ergebnis reichte zum dritten Platz in der AK W50. Sie selbst war darüber mehr als überrascht, denn tagelange Magenkrämpfe und eine Fußverletzung aus dem letzten Training hatten sie doch sehr verunsichert. Eine tolle Leistung lieferte ebenfalls Hannelore Horst ab. Sie ging mutig an und wurde mit einer Endzeit von 3:16:47 Stunden und der Vizemeisterschaft in der AK W55 belohnt. Viel vorgenommen hatte sich auch Julia Suwelack. Man sollte es kaum glauben, dass ihr, als erfahrenen Ultraläuferin, das Wetter so zusetzen würde. Julia musste in der zweiten Streckenhälfte sehr dosiert „Gas geben“, um ihren Kreislauf nicht zu überfordern. So blieb sie zwar hinter ihren eigenen Erwartungen zurück, freute sich aber über ihre Vizemeisterschaft in der AK W60 und einer Zeit von 3:44:29 Stunden. Ähnlich erging es Ruth Lutz. Auch sie kämpfte sich für die Mannschaft tapfer durch und lief mit 3:46:04 Stunden ins Ziel. Ein sehr gutes Rennen lieferte Maria Feyerabend ab. Ihre 3:31:31 Stunden reichten „nur“ zu einem 11. Platz in der AK W50, was für die Qualität des Feldes spricht. Von den LSF-Frauen erreichte letztlich noch Parvin Kamp das Marathonziel in 4:07:26 Stunden. Somit durften wir uns noch über den zweiten (Holtkötter, Horst, Feyerabend) und den dritten Platz (Suwelack, Lutz, Kamp) in der Mannschaft W45+ freuen.
Gottfried Schäfers hatte schon im Vorfeld mit einer sehr guten Platzierung in der AK M70 spekuliert. Seine eigenen Hoffnungen sollten mit der Vizemeisterschaft in der sehr guten Zeit von 3:33:07 Stunden auch erfüllt werden.
Schnellster Mann unseres Vereins war Steffen Schnieders mit der Zeit von 2:39:24 Stunden. Steffen lief nahezu zwei gleich schnelle Hälften. Er hatte sich das Rennen gut eingeteilt. Sehr gut dabei waren auch Holger Stadthaus mit 2:48:51 Std. und Björn Reiß mit 2:51:14 Stunden. In der Gesamtmannschaftswertung reichte dies immerhin zu einem guten 10. Platz von 52 in die Wertung gekommenen Mannschaften.
Übringens bekam Sabine als "Prämie" für die gute Leistung von mir zwei Snickers;-))
Ein paar Fotos von Mainz:








Kommentare
eigentlich bin ich hier reingekommen, um Anne zu ihrem 3. Platz zu gratulieren. Und lese, daß die LSF Münster allgemein sehr erfolgreich war. Also hinterlasse ich jetzt Glühstrümpfe für alle und besondere Grüße an Anne und Julia (die kenne ich u.a. vom Swiss Jura Marathon 2005).
Schöne Pfingsten
Gabi
wo ich gerade "erfahrene Ultraläuferin lese": [Werbeblock ein] wir veranstalten am 03.10.08 unseren ersten 6 h-Lauf in der wunderbaren Vorderpfalz. Könnt Ihr ja vielleicht bei Euch mal verbreiten. Näheres unter www.lt-wab.de. 38 der 50 Startplätze sind schon wech [Werbeblock aus, danke fürs Zulesen :-)]
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