
Hart – Härter – Drachenlauf. So könnte die Kurzumschreibung vom Berglauf in Königswinter-Thomasberg lauten. Das Streckenprofil und die ausführliche Streckenbeschreibung, die man auf der Seite der Veranstalter findet, geben einem einen Vorgeschmack auf das, was einen dann erwartet. 27 Kilometer, in denen man 1.000 m hochläuft und leider auch wieder runter, Steigungen bis zu 23 Prozent und nach 20 Kilometern der scheinbar nicht enden wollende Anstieg (fast 2 km) zum Petersberg verlangen den Teilnehmern alles ab. Entschädigt wird man durch eine wundervolle Natur und traumhaft mit schönen Ausblicken. Wir hatten gestern zudem das Glück, dass wir einen wolkenlosen blauen Himmel hatten.
Aus unserer Trainingsgruppe hatten sich mit Jana Hempelmann, Delia Krell-Witte, Anne Holtkötter und mir gleich vier „Bergläufer“ dieses Laufabenteuer vorgenommen. Leider mussten krankheitsbedingt Britta Wemmer und Johanna Rellensmann passen und Laura von der Horst war kurzfristig verhindert.

Die Anreise mit dem Bus war nicht nur bequem, sondern auch unterhaltsam. Leider pfiff in Thomasberg bei unserer Ankunft noch ein kühler Wind, was die Frage der Kleiderordnung in Schwung brachte. Der Start verzögerte sich etwas, was aber kein Problem darstellte. Wir wurden nochmals eingehend darauf hingewiesen, am ersten richtigen Anstieg durchaus schon mal eine Gehpause einzulegen, denn wir würden unsere Kräfte noch benötigen. Man startet auf der Höhe von 221 Meter und bereits nach 2,5 Kilometern befindet man sich auf der Höhe von 437 Metern. Das darf man getrost einen knackigen Beginn nennen. Bis auf Jana folgten wir dieser Empfehlung. Jana hingegen bretterte den Berg einfach hoch. Wer nun glaubt, dass die folgenden 3 Kilometer eine Erholung sind, täuscht sich gewaltig. Zwar geht es tendenziell nur bergab auf die Höhe von 206 Metern bei Kilometer 5,7, aber das erfordert viel Aufmerksamkeit und ebensoviel Kraft. Außerdem läuft man in dem Bewusstsein, dass es danach wieder hoch geht. Bei Kilometer 10,3 hat man sich schon wieder auf die Höhe von 434 Metern geschraubt. Glücklicherweise geht es die folgenden 10 Kilometer tendenziell leicht runter, wenn auch ab und an von einem deutlichen Anstieg unterbrochen. Ganz nebenbei sei noch zu erwähnen, dass Jana bis Kilometer 20 auf jegliche Gehpausen verzichtete. Bei Kilometer 20,1 ist man mit 80 Höhenmetern am tiefsten Punkt der Strecke angelangt. Hier beginnt der Kreuzweg zum Petersberg hinauf. Nach zwei Kilometern ist man oben auf der Höhe von 342 Metern angelangt. Der Höhenunterschied von 262 Metern hat es in sich. Die Oberschenkel gehen zeitweise in einen gummiähnlichen Zustand über. Es dürften insgesamt weniger als 10 Teilnehmer sein, die diesen Anstieg hochlaufen. Die Mehrzahl muss gehen und auch das strengt gigantisch an. Jana schaffte es immerhin bis zur guten Hälfte. Hut ab. Ich selbst überwandt diese 2 Kilometer in Powerwalkingmanier. Am Gipfel angekommen, wird einem dann Sekt angeboten. Kein Quatsch. Ich schlug das Angebot aus. Anne hingegen gönnte sich ein Gläschen. Die letzten 5 Kilometer führen dann wellenartig im Profil wieder auf den Ausgangspunkt und damit auf das Ziel zu. Auf den letzten 400 m erwachte der Spurtdrache in mir. Ich hatte mich auf den letzten beiden Kilometern an einen vor mir laufenden Konkurrenten herangearbeitet und lief knapp 600 m vor dem Ziel zu ihm auf und beschleunigte das Tempo. Mich überraschte, dass der Läufer mir nicht kampflos den Platz überlassen wollte. 200 Meter später zog ich dann einen langen Spurt an. Das war’s dann auch.

Als ich nach 2:24:15 Stunden die Ziellinie überquerte, war Jana schon seit 20 Minuten da. Sie brachte das Kunststück fertig, als Gesamtzwölfte und als zweite Frau in der Zeit von 2:04:50 Stunden ins Ziel zu kommen. Sie lag nur eine Minute hinter der ersten Frau und 10 Sekunden vor der Drittplatzierten, Thurid Buch. Diese Läuferin ist Jana gut bekannt, denn 2010 belegte Thurid beim Münster-Marathon den Platz hinter ihr. Vor dem Rennen hatte Thurid, die schon mehrfach den Drachenlauf absolviert hat, noch zu Jana gesagt: „Da habt ihr euch aber was vorgenommen.“ Woher sie das nur wusste;-) Überraschend gut kam Anne nach 2:44:43 Stunden als dritte in der W50 ins Ziel. Den Platz hinter ihr belegte Delia in 2:47:19 Stunden.


Schon auf der Heimfahrt war mir klar, dass der Ausflug ins Siebengebirge einen Muskelkater nach sich ziehen würde. Der Lauf ist von der Anstrengung durchaus mit einem Marathon vergleichbar. Dennoch ist die Strecke gut zu bewältigen, wenn man immer daran denkt, die passende Geschwindigkeit zu wählen, denn bekanntlich bringt dich nicht die Strecke, sondern das Tempo um.
Wer sich mehr für die Strecke und das Streckenprofil interessiert, der schaut einfach mal /hier/.